Pfefferminzöl und Reizdarm: Ein geprüftes Arzneimittel ist kein Duftöl zum Einnehmen
Pfefferminzöl gehört zu den wenigen ätherischen Ölen, die als Arznei bei einer bestimmten Erkrankung gründlich untersucht wurden. Genau deshalb lohnt der Blick auf das, was dabei gilt und was nicht.
- 12randomisierte Studien
- 835Erwachsene mit Reizdarm
- 9,3 % zu 6,1 %Nebenwirkungen: Pfefferminzöl zu Placebo
- 2019BMC Complementary Medicine
Worum ging es?
Das Team um N. Alammar hat 2019 zwölf randomisierte Studien mit insgesamt 835 Erwachsenen ausgewertet, die an einem Reizdarmsyndrom (IBS) leiden. Verglichen wurde Pfefferminzöl zum Einnehmen mit einem Scheinmittel (Placebo). Die Frage: Bessern sich Beschwerden wie Bauchschmerzen?
Was kam heraus?
In der Auswertung besserten sich die Gesamtbeschwerden unter Pfefferminzöl rund 2,4-mal häufiger als unter Placebo, die Bauchschmerzen etwa 1,8-mal häufiger. Nebenwirkungen traten in 9,3 Prozent der Fälle unter Pfefferminzöl und in 6,1 Prozent unter Placebo auf; der Unterschied war statistisch nicht bedeutsam. Genannt werden leichte, vorübergehende Beschwerden wie Sodbrennen und trockener Mund.
Wie belastbar ist das?
Das Ergebnis gilt für eine bestimmte Erkrankung bei Erwachsenen und für die in den Studien geprüfte Anwendung. Die Studie sagt nichts darüber, ob sich das auf andere Produkte, auf Duftöle oder auf andere Beschwerden übertragen lässt. Sie sagt auch nichts über Kinder.
Warum die Sicherheit hier zählt
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt: Schon kleinste Mengen, etwa wenige Tropfen, die bei Säuglingen und Kleinkindern in Mund oder Nase gelangen, können zu lebensbedrohlichen Krämpfen des Kehlkopfs und zu Atemstillstand führen. Öle mit Menthol, dazu zählen Pfefferminze, Eukalyptus, Kampfer und Thymian, verlangen bei Kindern unter drei Jahren besondere Vorsicht. Ätherische Öle gehören so aufbewahrt, dass Kinder sie nicht erreichen. Bei einem Unfall hilft sofort der Giftnotruf oder der Notruf.
Einordnung: Ein Hinweis für eine bestimmte Anwendung
Dass ein geprüftes Präparat bei einer bestimmten Erkrankung in Studien geholfen hat, ist kein Grund, Duftöle zu schlucken. Eine Einnahme gehört in ärztliche oder apothekerliche Hand.
Und im Alltag?
Ätherische Öle aus dem Duftbereich sind zum Verdampfen und, verdünnt, zur äußerlichen Anwendung gedacht und nicht zum Einnehmen. Wenn du Beschwerden im Bauch hast, sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke. Wenn Kinder im Haushalt leben, gilt der Aufbewahrungshinweis des BfR ohne Ausnahme.
Warum steht bei einem Mittel, das in Studien gut abschneidet, trotzdem so deutlich: nicht für Kinder, nicht in Eigenregie?
Quellen
Alammar N et al. (2019): The impact of peppermint oil on the irritable bowel syndrome: a meta-analysis of the pooled clinical data. BMC Complementary and Alternative Medicine 19:21. DOI 10.1186/s12906-018-2409-0. Zur Studie
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zur Anwendung von ätherischen Ölen (Stand der Veröffentlichung: 2008, abgerufen am 01.10.2026). Zur Seite des BfR
Dieser Beitrag ordnet Forschung ein. Er ist kein Heilversprechen und keine medizinische Beratung und keine Anleitung zur Einnahme. Gut zu wissen rund um ätherische Öle · Zurück zum StudierBlog
