323 Studien, ein ehrliches Ergebnis: Was die weltweite Forschung zur Aromatherapie sagt
Wie gut ist die Forschung zur Aromatherapie insgesamt? Eine australische Gesundheitsbehörde wollte es genau wissen und hat die weltweite Forschung auswerten lassen.
- 323Studien geprüft
- 234davon auswertbar
- niedrig bis sehr niedrigAussagekraft der Belege
- 2024Cochrane Australia für den NHMRC
Worum ging es?
Der australische Nationale Gesundheits- und Medizinforschungsrat (NHMRC) überprüft regelmäßig, ob Naturheilverfahren belegt sind. Cochrane Australia hat dafür im März 2024 die weltweit veröffentlichte Forschung zur Aromatherapie gesichtet: 323 Studien, von denen 234 so berichtet waren, dass sie zusammengefasst werden konnten. Die Studien kamen aus vielen Ländern und betrafen viele Beschwerden, von Schmerzen über Schlaf bis zu Ängsten.
Was kam heraus?
Insgesamt, über alle Gruppen hinweg, war die Aussagekraft bei Schlafqualität, gesundheitsbezogener Lebensqualität und körperlicher Funktion niedrig; die Ergebnisse gingen dort in Richtung Aromatherapie. Bei Schmerzen, Übelkeit, Erschöpfung und seelischem Befinden war sie insgesamt sehr niedrig, das heißt: Hier ist das Ergebnis sehr unsicher.
Schaut man auf einzelne Gruppen, zeigen sich einige Hinweise mit niedriger Aussagekraft: weniger Schmerzen bei chronischen Muskel- und Gelenkbeschwerden (7 Studien) und bei akuten Schmerzen, vor allem Regelschmerzen (9 Studien), weniger Übelkeit in der Schwangerschaft (4 Studien), besserer Schlaf im Krankenhaus (8 Studien) und ein besseres seelisches Befinden bei Menschen mit Anzeichen seelischer Belastung, vor allem depressiven Beschwerden (5 Studien). Bei Menschen mit Krebs und bei Unruhe im Zusammenhang mit Demenz fand sich dagegen wahrscheinlich kaum oder kein Effekt, ebenfalls mit niedriger Aussagekraft.
Das Fazit der Autorinnen und Autoren ist deutlich: Es lasse sich für keine Erkrankung und kein Ergebnis sicher sagen, was Aromatherapie bewirkt.
Wie belastbar ist das?
Hier ist die Belastbarkeit selbst das Ergebnis. Genannt werden unter anderem: Es fehlen Studien mit geringem Verzerrungsrisiko, die Ergebnisse widersprechen sich, positive Ergebnisse wurden wahrscheinlich eher berichtet als negative, und bei 41 Studien fehlten Angaben, die eine Auswertung erst möglich gemacht hätten.
Wichtig: „Niedrige Aussagekraft“ heißt nicht, dass nichts wirkt. Es heißt, dass die vorhandenen Studien zu schwach sind, um es zu sagen.
Einordnung: Offen, nicht widerlegt
Die weltweite Forschung liefert Hinweise, aber keine Gewissheit. Wer etwas anderes verspricht, geht über die Studienlage hinaus.
Und im Alltag?
Dass die Belege dünn sind, spricht nicht gegen einen Duft, den du magst. Es spricht gegen große Versprechen. Wenn du Düfte nutzt, dann, weil sie dir vertraut sind und guttun, nicht, weil eine Studie es bewiesen hätte. Bei Beschwerden, die dich belasten, ist ärztliche Unterstützung der richtige Weg.
Welche Studie würdest du dir wünschen, um diese Frage für dich selbst zu klären?
Quelle
Cochrane Australia im Auftrag des National Health and Medical Research Council (NHMRC), 04.03.2024: Systematic review of evidence on the clinical effectiveness of aromatherapy. Lizenz: CC BY 4.0. Zum Dokument (PDF, englisch)
Dieser Beitrag ordnet Forschung ein. Er ist kein Heilversprechen und keine medizinische Beratung. Gut zu wissen rund um ätherische Öle · Zurück zum StudierBlog
