Wenn die Beweislage dünn ist: Aromatherapie bei Demenz

Studie erklärtKritischer Blick

Nicht jede Studie bestätigt, was wir hoffen. Genau deshalb gehört auch ein Ergebnis hierher, das ernüchtert.

  • 13Studien ausgewertet
  • 708Teilnehmende insgesamt
  • Cochranesystematische Übersichtsarbeit
  • 2020Veröffentlichung

Worum ging es?

Cochrane ist ein unabhängiges Netzwerk, das Studien zu einer Frage sammelt, nach festen Regeln bewertet und zusammenfasst. Ein Autorenteam um Ball hat 2020 untersucht, ob Aromatherapie Menschen mit Demenz nützt, gleich welcher Form und welchen Schweregrads. Ausgewertet wurden 13 Studien mit insgesamt 708 Teilnehmenden.

Was kam heraus?

Das Team fand keine überzeugenden Belege dafür, dass Aromatherapie Menschen mit Demenz hilft. Die Qualität der Belege bewerten die Autorinnen und Autoren als schlecht.

Warum so vorsichtig?

Viele Studien waren unzureichend berichtet, die Gruppen waren klein, und die Ergebnisse widersprachen sich. Unter solchen Bedingungen lässt sich weder eine Wirkung belegen noch ausschließen.

Einordnung: nicht belegt heißt nicht widerlegt

Das Ergebnis sagt nicht, dass Düfte nichts bewirken können. Es sagt, dass die bisherigen Studien nicht ausreichen, um das zu zeigen. Gute, größere Untersuchungen fehlen.

Und im Alltag?

Ein vertrauter Duft kann für einen Menschen eine schöne Erinnerung wecken oder ein Ritual begleiten, und das darf er auch. Ein Ersatz für Pflege, Betreuung oder ärztlichen Rat ist er nicht. Wer Angehörige begleitet, findet bei Hausärztin oder Hausarzt und in Pflegeberatungsstellen verlässliche Hilfe.

Zum Weiterdenken

Was müsste untersucht werden, damit aus „nicht belegt“ ein „belegt“ oder „widerlegt“ wird?

Quelle

Ball EL, Owen-Booth B, Gray A, Shenkin SD, Hewitt J, McCleery J (2020): Aromatherapy for dementia. Cochrane Database of Systematic Reviews. Zur Studie

Dieser Beitrag ordnet Forschung ein. Er ist kein Heilversprechen und keine medizinische Beratung. Gut zu wissen rund um ätherische Öle · Zurück zum StudierBlog

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