Rosmarinduft und Kopfrechnen: Was eine kleine Studie zeigt
Macht Rosmarinduft wacher im Kopf? Eine britische Studie hat nicht nur Aufgaben gestellt, sondern auch im Blut nachgesehen, wie viel vom Duft tatsächlich ankommt.
- 20gesunde Freiwillige
- 4 bis 10Minuten Dufteinwirkung
- r = 0,47Zusammenhang beim Rechnen in Dreierschritten
- 2012Therapeutic Advances in Psychopharmacology
Worum ging es?
Mark Moss und Lorraine Oliver ließen 20 gesunde Erwachsene (12 Frauen, 8 Männer, im Schnitt etwa 23 Jahre alt) in einem Raum mit Rosmarinduft Denkaufgaben lösen: fortlaufend 3 oder 7 abziehen und schnell auf Reize am Bildschirm reagieren. Wie lange die Teilnehmenden dem Duft vorher ausgesetzt waren, wurde zufällig verteilt: 4, 6, 8 oder 10 Minuten. Danach wurde im Blut gemessen, wie viel 1,8-Cineol, ein Inhaltsstoff des Rosmarinöls, aufgenommen worden war. Außerdem gaben alle auf Skalen an, wie wach, zufrieden und ruhig sie sich fühlten.
Was kam heraus?
Je mehr 1,8-Cineol im Blut war, desto genauer wurde beim Abziehen in Dreierschritten gerechnet (Zusammenhang r = 0,47) und desto schneller waren die Reaktionen, und zwar bei allen drei Aufgaben. Beim Abziehen in Siebenerschritten war der Zusammenhang ähnlich groß, verfehlte die statistische Schwelle aber knapp. Auffällig: Höhere Werte gingen mit etwas geringerer Zufriedenheit einher. Mit dem Gefühl, dass der Duft angenehm ist, hatte die Leistung nichts zu tun.
Wie belastbar ist das?
Hier ist Vorsicht angesagt. Die Gruppe war sehr klein und jung, alle waren gesund. Es wurde ein Zusammenhang gemessen, keine Ursache nachgewiesen: Alle Teilnehmenden saßen im Duft, sie unterschieden sich nur in der Dauer. Die Autoren vermuten, dass der Inhaltsstoff über Botenstoffe im Gehirn wirkt, das ist aber eine Hypothese und kein Ergebnis.
Einordnung: ein interessanter Hinweis
Die Studie liefert eine Spur, der man in größeren Untersuchungen nachgehen kann. Als Beleg für eine Wirkung im Alltag reicht sie nicht.
Und im Alltag?
Dass ein Duft Aufmerksamkeit lenkt oder an Routinen erinnert, kennen viele Menschen aus eigener Erfahrung. Das ist etwas anderes als eine nachgewiesene Wirkung. Probier aus, was sich für dich stimmig anfühlt, und nimm Studien als das, was sie sind: Bausteine, kein Urteil.
Würde sich dasselbe zeigen, wenn niemand den Duft bemerkt hätte?
Quelle
Moss M, Oliver L (2012): Plasma 1,8-cineole correlates with cognitive performance following exposure to rosemary essential oil aroma. Therapeutic Advances in Psychopharmacology 2(3):103-113. DOI 10.1177/2045125312436573. Zur Studie
Dieser Beitrag ordnet Forschung ein. Er ist kein Heilversprechen und keine medizinische Beratung. Gut zu wissen rund um ätherische Öle · Zurück zum StudierBlog
